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Ahnenforschung: So fangen Sie ohne Vorkenntnisse an

Hände halten eine Lupe über ein aufgeschlagenes altes Kirchenbuch mit Handschrift

Von Redaktion Ahnenspur

Zuletzt aktualisiert: · 10 Min. Lesezeit

Kurz gesagt

Fangen Sie bei sich selbst an und arbeiten Sie sich Generation für Generation zurück: erst die Familie befragen und vorhandene Dokumente sammeln, dann einen Stammbaum anlegen. Für die Zeit ab 1874/1876 fragen Sie beim Standesamt an, für die Zeit davor helfen Kirchenbücher. Vieles davon geht kostenlos, zum Beispiel über FamilySearch und Matricula.

Viele Menschen beginnen mit der Familienforschung, wenn sie selbst in das Alter ihrer Großeltern kommen. Plötzlich tauchen Fragen auf: Woher kam die Familie wirklich? Wie hieß die Urgroßmutter mit Mädchennamen? Was ist mit dem Hof in Schlesien geschehen? Die gute Nachricht: Sie brauchen keine Vorkenntnisse. Sie brauchen Geduld, ein wenig Ordnung und den richtigen ersten Schritt. Diese Anleitung führt Sie in Ruhe hindurch.

Schritt 1: Die Familie befragen

Die wertvollste Quelle sind Menschen, die sich noch erinnern. Sprechen Sie mit Eltern, Tanten, Onkeln, älteren Cousinen und Nachbarn – so früh wie möglich. Fragen Sie nach Namen, Daten und Orten, aber auch nach Geschichten: Berufe, Umzüge, Hochzeiten, Spitznamen.

Gute Fragen für das Gespräch

  • Wie hießen Ihre Eltern und Großeltern, auch mit Geburtsnamen?
  • Wo und wann wurden sie geboren, wo haben sie geheiratet?
  • Welcher Konfession gehörte die Familie an? Das bestimmt, welche Kirchenbücher Sie brauchen.
  • Wo hat die Familie vor dem Krieg gelebt, wohin ging sie danach?
  • Gibt es Fotos, Briefe, ein Familienstammbuch oder einen Ahnenpass?

Schritt 2: Dokumente sammeln und ordnen

In vielen Haushalten liegen mehr Unterlagen, als man denkt: Familienstammbücher, Geburts- und Heiratsurkunden, Taufscheine, Soldbücher, Flüchtlingsausweise, Lastenausgleichsakten, Zeugnisse, Briefe und Fotos mit Beschriftung auf der Rückseite. Sammeln Sie alles an einem Ort.

  • Fotografieren oder scannen Sie jedes Dokument und benennen Sie die Datei mit Name, Jahr und Art, zum Beispiel „1921_Heirat_Schulz_Krause“.
  • Bewahren Sie Originale in säurefreien Hüllen oder Kartons auf, trocken und ohne direktes Licht.
  • Schreiben Sie bei Fotos auf, wer zu sehen ist – solange es noch jemand weiß.

Ahnenpässe aus der Zeit von 1933 bis 1945 sind in vielen Familien erhalten. Sie enthalten oft genaue Daten über mehrere Generationen. Nutzen Sie diese Angaben sachlich als Quelle und prüfen Sie sie, wo möglich, an den Originalbüchern.

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  • Schützt alte Fotos und Papiere
  • Ordnung nach Familienzweigen
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Schritt 3: Den Stammbaum anlegen

Beginnen Sie immer bei sich selbst und gehen Sie Schritt für Schritt zurück: Sie, Ihre Eltern, Ihre Großeltern, Ihre Urgroßeltern. Mit jeder Generation verdoppelt sich die Zahl der Vorfahren. Schon bei den Urgroßeltern sind es acht Personen.

Ihr Stammbaum und die passenden Quellen

Stammbaum von Ihnen bis zu den UrgroßelternEine Person, zwei Eltern, vier Großeltern, acht Urgroßeltern. Jede Generation verdoppelt die Zahl der Vorfahren.SieElternElternGroßelternGroßelternGroßelternGroßelternUrgroßeltern: 8 Personen
  1. Sie & Eltern: Familie befragen, eigene Dokumente, Stammbuch
  2. Großeltern: Standesamt, Ahnenpass, Fotos und Briefe
  3. Urgroßeltern: Standesamtsregister ab 1874/1876
  4. Davor: Kirchenbücher der Pfarrei
Schematisch. Die Jahresgrenzen sind Richtwerte: Standesämter gibt es in Preußen ab Oktober 1874, im übrigen Deutschen Reich ab 1876.

Sie können den Stammbaum auf Papier, in einem kostenlosen Programm wie Ahnenblatt oder in einem kostenlosen Online-Stammbaum anlegen. Wichtig ist, dass Sie bei jeder Angabe notieren, woher sie stammt: aus einem Gespräch, einer Urkunde oder einem Kirchenbuch.

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  • Ohne Computer nutzbar
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Schritt 4: Beim Standesamt anfragen

Seit Oktober 1874 in Preußen und seit 1876 im ganzen Deutschen Reich werden Geburten, Heiraten und Sterbefälle beim Standesamt beurkundet. Diese Register sind die verlässlichste Quelle für Ihre Großeltern und Urgroßeltern.

  • Zuständig ist das Standesamt des Ortes, an dem das Ereignis stattfand.
  • Ältere Register werden nach Ablauf bestimmter Fristen an Archive abgegeben, meist an Stadt- oder Kreisarchive. Fragen Sie beim Standesamt nach, wo das Register heute liegt.
  • Für jüngere Einträge gelten Schutzfristen. Als direkter Nachkomme dürfen Sie in der Regel Auskunft erhalten; den genauen Rahmen erklärt Ihnen das zuständige Standesamt.
  • Für Urkunden fallen Gebühren an, meist um die 10 bis 15 Euro pro Stück – je nach Ort unterschiedlich, Stand prüfen.

Für Orte in den früheren Ostgebieten sind Register teils erhalten geblieben. Ein Teil liegt beim Standesamt I in Berlin, andere befinden sich in Archiven in Polen oder anderen Ländern. Das Standesamt I gibt Auskunft, welche Register es dort verwahrt.

Schritt 5: Kirchenbücher für die Zeit davor

Vor der Einführung der Standesämter haben die Pfarreien Taufen, Trauungen und Beerdigungen aufgeschrieben. Viele Kirchenbücher reichen bis ins 17. Jahrhundert zurück, manche noch weiter. Welche Bücher Sie brauchen, hängt von Konfession und Ort ab.

Welche Quelle für welche Zeit?

  1. ab ca. 1550–1650

    Kirchenbücher

    Taufen, Trauungen, Beerdigungen. Beginn je nach Ort sehr unterschiedlich, oft nach dem Dreißigjährigen Krieg.

  2. ca. 1800–1950

    Adressbücher

    Wohnort und Beruf in Städten, nützlich zwischen zwei Urkunden.

  3. ab 1874 / 1876

    Standesamtsregister

    Geburten, Heiraten, Sterbefälle. In Preußen ab Oktober 1874, im übrigen Reich ab 1876.

  4. ca. 1933–1945

    Ahnenpass

    Damals vorgeschriebene Abstammungsnachweise; heute oft in Familienbesitz. Nur die Daten nutzen, sachlich einordnen.

Vereinfachte Übersicht. Was für Ihren Ort erhalten ist, erfahren Sie beim zuständigen Standesamt, Archiv oder Kirchenbuchamt.

Die Einträge sind oft in deutscher Kurrentschrift oder auf Latein geschrieben. Das wirkt zuerst wie ein Rätsel, lässt sich aber mit etwas Übung lernen. Viele Einsteiger beginnen mit einem Übungsbuch zur Sütterlin- und Kurrentschrift.

Sütterlin und Kurrent lesen lernen

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  • Hilft bei Briefen und Kirchenbüchern
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  • Braucht regelmäßige Übung

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Kostenlose Quellen, mit denen Sie viel erreichen

  • FamilySearch: kostenlos, viele verfilmte Kirchenbücher und Register aus Deutschland und Europa.
  • Matricula: kostenlose Online-Kirchenbücher, vor allem katholischer Bistümer in Deutschland, Österreich und Polen.
  • Kostenlose Online-Stammbäume bei MyHeritage oder Ancestry, um Ihre Daten zu ordnen und Hinweise zu bekommen.
  • Genealogische Vereine in Ihrer Region und für frühere Ostgebiete: Sie helfen oft beim Lesen und kennen die Bestände.

Planen Sie für die kostenlosen Quellen ruhig etwas mehr Zeit ein. Die Suche in verfilmten Kirchenbüchern funktioniert oft nicht über Namen, sondern Seite für Seite, wie beim Blättern im echten Buch. Merken Sie sich deshalb vorher Ort, Pfarrei und ungefähres Jahr. Dann finden Sie den richtigen Band schneller und können gezielt die Jahrgänge rund um eine Geburt oder Hochzeit durchsehen. Ein großer Bildschirm und die Zoom-Funktion helfen beim Lesen der alten Schrift sehr.

Evangelische Kirchenbücher finden Sie häufig bei Archion. Das Portal ist kostenpflichtig; Sie kaufen einen Pass für einen bestimmten Zeitraum.

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Welche Plattform passt zu Ihren Vorfahren? MyHeritage oder Ancestry?

Typische Anfängerfehler – und wie Sie sie vermeiden

  • Fremde Stammbäume ungeprüft übernehmen: Jede Angabe an einer Quelle prüfen.
  • Quellen nicht notieren: Später weiß niemand mehr, woher eine Angabe stammt.
  • Mit einem berühmten Namensvetter anfangen: Immer bei sich selbst beginnen.
  • Schreibweisen zu eng suchen: Namen wurden früher unterschiedlich geschrieben, etwa Schmidt, Schmid, Schmitt.
  • Testphasen vergessen: Kündigungstermin sofort in den Kalender eintragen.
  • Zu viel auf einmal wollen: Eine Familienlinie nach der anderen bearbeiten.

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Häufige Fragen

Wie weit kann ich meine Familie zurückverfolgen?

Mit Standesamtsregistern meist bis etwa 1874/1876, mit Kirchenbüchern oft bis ins 17. Jahrhundert. Wie weit es wirklich geht, hängt davon ab, welche Bücher an Ihrem Ort erhalten sind.

Brauche ich einen Computer?

Nicht zwingend. Für den Anfang reichen Papier, Stift und Gespräche. Viele Kirchenbücher und Stammbäume finden Sie aber online, deshalb ist ein Computer mit großem Bildschirm eine große Hilfe.

Was mache ich, wenn die Unterlagen im Krieg verloren gingen?

Suchen Sie nach Ersatzquellen: Abschriften, Ahnenpässe, Unterlagen aus dem Lastenausgleich, Heimatortskarteien oder Kirchenbuchduplikate. Genealogische Vereine kennen oft weitere Wege.

Darf ich Urkunden meiner Großeltern beim Standesamt anfordern?

Als direkter Nachkomme in der Regel ja. Die genauen Regeln und Gebühren nennt Ihnen das zuständige Standesamt.

Ist Ahnenforschung teuer?

Nicht unbedingt. Viele Schritte sind kostenlos. Kosten entstehen vor allem für Abos, Urkunden und Fahrten. Mit dem Kosten-Planer können Sie das erste Jahr grob durchrechnen.

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