MyHeritage oder Ancestry: Was ist besser für deutsche Vorfahren?

Zuletzt aktualisiert: · 9 Min. Lesezeit
Kurz gesagt
Für Vorfahren, die in Deutschland oder in den früheren Ostgebieten geblieben sind, ist MyHeritage für viele Einsteiger der bequemere Start: deutsche Oberfläche, viele europäische Stammbäume und eine kostenlose Basis. Ancestry ist stärker, wenn Familienmitglieder nach Amerika ausgewandert sind, und hat eine sehr große DNA-Datenbank. Für Kirchenbücher sind beide oft nicht die beste Quelle – hier helfen Archion, Matricula und FamilySearch.
Wer mit der Familienforschung beginnt, stößt schnell auf zwei große Namen: MyHeritage und Ancestry. Beide versprechen Milliarden Datensätze, automatische Hinweise und DNA-Tests. Für deutsche Familien kommt es aber auf etwas anderes an: Gibt es überhaupt Unterlagen aus der Gegend, aus der Ihre Vorfahren stammen? Dieser Vergleich zeigt die Unterschiede in Ruhe und ohne Testsieger – denn welcher Anbieter besser passt, hängt von Ihrer Familiengeschichte ab.
Die beiden Anbieter im Überblick
MyHeritage ist ein Unternehmen mit Sitz in Israel und hat viele Nutzer in Europa. Ancestry stammt aus den USA und ist dort der bekannteste Anbieter. Beide bieten einen kostenlosen Einstieg mit einem Online-Stammbaum und verlangen für die Suche in den meisten Datensätzen ein Abo.
Die Plattformen auf einen Blick
MyHeritage
Europa, viele deutschsprachige Nutzer-Stammbäume
Sprache: Deutsch · DNA-Test: ja
kostenlose Basis, Abo ca. 130–300 €/Jahr
Ancestry
Auswanderer nach Amerika, große DNA-Datenbank
Sprache: Deutsch · DNA-Test: ja
kostenloser Stammbaum, Abo ca. 150–400 €/Jahr
Archion
Evangelische Kirchenbücher, auch frühere Ostgebiete
Sprache: Deutsch · DNA-Test: nein
Pässe ab ca. 20 €/Monat
FamilySearch
Verfilmte Kirchenbücher und Register weltweit
Sprache: Deutsch · DNA-Test: nein
kostenlos
| MyHeritage | Ancestry | |
|---|---|---|
| Oberfläche | Deutsch, sehr einfach | Deutsch, etwas umfangreicher |
| Stärke | Europäische Stammbäume, Fotofunktionen | Auswanderer, Passagierlisten, USA |
| Deutsche Register | Auswahl, teils mit Partnern | Auswahl, z. B. einzelne Standesamtsregister |
| Kostenloser Stammbaum | ja, mit Personengrenze | ja |
| DNA-Test | ja, eigene Datenbank | ja, sehr große Datenbank |
| Preis pro Jahr | etwa 130–300 € | etwa 150–400 € |
| Testphase | meist 14 Tage | meist 14 Tage |
Die Preise nennen wir bewusst nur als Spanne. Beide Anbieter verändern ihre Abos häufig, bieten Rabatte an und unterscheiden zwischen Paketen mit und ohne weltweite Datensätze. Prüfen Sie den aktuellen Preis immer direkt beim Anbieter.
Datenbestände für Deutschland und die früheren Ostgebiete
Hier liegt der wichtigste Unterschied für deutsche Familien. Sind Ihre Vorfahren in Deutschland geblieben, brauchen Sie vor allem Standesamtsregister und Kirchenbücher. Diese liegen zum großen Teil in staatlichen Archiven, Kirchenbuchämtern oder bei spezialisierten Portalen – und nur zum Teil bei MyHeritage oder Ancestry.
Schlesien, Ostpreußen, Pommern
Viele Unterlagen aus den früheren Ostgebieten sind durch Krieg, Flucht und Vertreibung verloren gegangen oder liegen heute in polnischen, russischen oder litauischen Archiven. Ein Teil der evangelischen Kirchenbücher ist bei Archion einsehbar, katholische Bücher teils bei Matricula, und FamilySearch hat viele Bestände verfilmt. MyHeritage und Ancestry helfen hier vor allem über Stammbäume anderer Familien, die zum selben Ort forschen.
Auswanderer
Sind Familienmitglieder im 19. oder frühen 20. Jahrhundert nach Amerika ausgewandert, ist Ancestry meist im Vorteil. Passagierlisten, Volkszählungen und Einbürgerungsunterlagen aus den USA sind dort besonders gut erschlossen.
Bedienung und Sprache
Beide Plattformen sind auf Deutsch nutzbar. MyHeritage wirkt für viele Einsteiger aufgeräumter: Der Stammbaum steht im Mittelpunkt, neue Hinweise werden deutlich angezeigt. Ancestry bietet mehr Such- und Filtermöglichkeiten, was am Anfang etwas überfordernd sein kann.
- Schrift vergrößern: Beide Seiten lassen sich im Browser mit Strg und Plus vergrößern.
- Am Computer arbeiten: Auf großen Bildschirmen sind Stammbäume und alte Dokumente viel besser lesbar als am Telefon.
- Original-Datensätze: Viele Einträge sind englisch beschriftet, auch wenn die Oberfläche deutsch ist. Die wichtigsten Begriffe sind „Birth“ (Geburt), „Marriage“ (Heirat) und „Death“ (Tod).
DNA-Tests bei beiden Anbietern
Beide Anbieter verkaufen DNA-Tests, die Sie zu Hause mit einer Speichel- oder Wangenprobe machen. Für die Familienforschung ist vor allem die Verwandtensuche interessant: Sie zeigt Menschen, die mit Ihnen DNA teilen. Ancestry hat laut eigenen Angaben die größere Datenbank, MyHeritage viele Nutzer in Europa.
Ein DNA-Test ersetzt keine Unterlagen. Er kann eine Vermutung bestätigen oder neue Verwandte zeigen – den Namen und das Datum eines Vorfahren finden Sie aber weiterhin in Urkunden und Kirchenbüchern.
Preise: Womit Sie ungefähr rechnen sollten
Beide Anbieter arbeiten mit mehreren Paketen. Grundsätzlich gilt: Je mehr Länder und Funktionen enthalten sind, desto teurer wird das Abo. Bei MyHeritage gibt es laut Anbieter Pakete wie Premium, PremiumPlus und Komplett. Für die Suche in historischen Datensätzen brauchen Sie in der Regel das Komplett-Paket. Bei Ancestry unterscheiden sich die Mitgliedschaften vor allem darin, ob nur deutsche oder auch weltweite Datensätze enthalten sind.
Als grobe Orientierung, laut Anbieter und ohne Gewähr: Ein Jahresabo kostet bei MyHeritage etwa 130 bis 300 Euro, bei Ancestry etwa 150 bis 400 Euro. Kürzere Laufzeiten sind pro Monat meist deutlich teurer. Häufig gibt es Rabatte im ersten Jahr, die bei der Verlängerung wegfallen. Lesen Sie deshalb immer, welcher Preis ab dem zweiten Jahr gilt.
- Der Preis im ersten Jahr ist oft ein Angebotspreis. Notieren Sie, was die Verlängerung kostet.
- Ein Abo verlängert sich in der Regel automatisch. Die Kündigungsfrist steht in den Vertragsbedingungen.
- DNA-Tests werden getrennt bezahlt und sind meist nicht im Abo enthalten.
- Für Familienforschung in Deutschland reicht oft ein kürzerer Zeitraum mit klarem Plan statt eines Dauerabos.
Wer nur gelegentlich forscht, fährt mit einem Wechsel gut: einige Monate intensiv mit Abo, dann wieder kostenlos mit FamilySearch, Matricula und dem eigenen Stammbaum weiterarbeiten. Wie sich Abo, Urkunden, Archivbesuche und ein möglicher DNA-Test im ersten Jahr zusammenrechnen, zeigt Ihnen unser Kosten-Planer mit offen erklärten Annahmen.
Welcher Anbieter passt zu Ihrer Situation?
Unsere Empfehlung nach Situation
- Vorfahren überwiegend aus Deutschland, Sie wollen einfach anfangen: zuerst MyHeritage testen
- Familienmitglieder nach Amerika ausgewandert: zuerst Ancestry testen
- Vorfahren aus den früheren Ostgebieten: zuerst bei Archion, Matricula und FamilySearch prüfen, welche Kirchenbücher es gibt; dann eine Testphase gezielt für Stammbäume anderer Familien
- Sie möchten vor allem Verwandte über DNA finden: Datenbankgröße und Datenschutzregeln beider Anbieter vergleichen
- Kleines Budget: kostenlose Stammbäume und FamilySearch nutzen, ein Abo nur für einzelne Monate
Sie müssen sich nicht für immer festlegen. Viele Familienforscher testen nacheinander beide Anbieter – mit einem klaren Plan und einem Kündigungstermin im Kalender.
So nutzen Sie die Testphasen planvoll: Zum Testphasen-Fahrplan
Was kostet das erste Jahr insgesamt? Zum Kosten-Planer
Noch ganz am Anfang? Ahnenforschung ohne Vorkenntnisse
FamilySearch
- Vollständig kostenlos
- Viele verfilmte deutsche Kirchenbücher
- Auch auf Deutsch nutzbar
- Kostenloses Konto mit Anmeldung nötig, manche Bilder nur in Partnerbibliotheken
Preisrahmen: kostenlos laut Anbieter
Zur WebsiteHäufige Fragen
Kann ich meinen Stammbaum von MyHeritage zu Ancestry übertragen?
Ja, über eine GEDCOM-Datei. Sie exportieren den Stammbaum beim einen Anbieter und laden ihn beim anderen hoch. Bilder und Dokumente werden dabei meist nicht mit übertragen.
Welcher Anbieter hat mehr deutsche Kirchenbücher?
Beide haben nur einen Teil. Evangelische Kirchenbücher finden Sie häufig bei Archion, katholische bei Matricula, viele verfilmte Bücher kostenlos bei FamilySearch.
Brauche ich für beide Anbieter einen DNA-Test?
Nein. Für die Familienforschung reicht zunächst die Arbeit mit Unterlagen. Manche Anbieter erlauben auch, Rohdaten eines Tests hochzuladen; prüfen Sie dabei die Datenschutzbedingungen.
Ist die kostenlose Version ausreichend?
Für den Anfang oft ja: Sie können einen Stammbaum anlegen und erhalten erste Hinweise. Für die meisten Datensätze und Dokumente ist aber ein Abo nötig.
Was ist mit den Daten lebender Verwandter?
Tragen Sie lebende Personen nur mit deren Einverständnis ein und stellen Sie Ihren Stammbaum so ein, dass lebende Personen nicht öffentlich sichtbar sind. Beide Anbieter bieten dafür Einstellungen an.
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